Die Geschichte des Roxheimer Carnevalvereins 1956 e.V. "Die Altrhoischnooke":

Orden aus den Anfangsjahren ... aus welchem Jahr genau ? Tja, wenn man wüsste ...

Der Roxheimer Carnevalverein „Die Altrhoischnooke“ besteht nun  60 Jahre in unserem schönen Bobenheim-Roxheim, ich muss allerdings sagen, dass die Roxheimer Fastnacht schon wesentlich älter ist.

Schon als die Postkutschen über’s Land fuhren, feierten die Roxheimer, meist vereinsintern, bei Maskenbällen und Kappenabenden.

Man nahm des Dorfgeschehe uff die Schipp so wie’s gewohnt ...

Unn niemand wurd dabei geschont.

Denn mer hott uffgebasst was iwwers Johr passiert ...

Unn an Fastnacht dann serviert!

Diese Zeilen, die ich mir erlaube auf pälzisch zu zitieren, stammen aus der Feder von Kurt Grönecke, Gründungsmitglied, Träger der Goldenen Schnook und Ehrenminister des RCV. Er hatte zu unserem 44. Geburtstag einen 12-seitigen karnevalistisch-geschichtlichen Rückblick geschrieben, der im Liederheft 1999/2000 abgedrukt war.

Nach dem 2. Weltkrieg drohte dann die närrische Geselligkeit duch zunehmende Technisierung der Medienlandschaft, man denke an das Fernsehen, zu verflachen.

Dagegen musste etwas getan werden.

Vor 50 Jahren, am Aschermittwoch 1956, trafen sich beim Besem, dem Pfälzer Hof, 22 Roxheimer Bürger, um den RCV zu gründen. Sie standen schon lange vorher im Dienst der Roxheimer Fastnacht und waren damit als Initiatoren gleichzeitig Garant zur Fortführung althergebrachten Brauchtums.

Als Vaterfigur des RCV galt damals wie heute der unvergessene Werner Schmitt, aber natürlich konnte er nicht allein tätig werden, sondern brauchte närrische Mitstreiter, von denen noch heute Edwin Traser zu den Freunden des Vereins gerechnet werden kann.

Weitere historische Orden aus den ersten Jahren des Bestehens des RCV. Die genaue Jahreszahl lässt sich auch hier nicht nachvollziehen.

Die GOLDENE SCHNOOK wird seit 1989 an Personen verliehen, die sich um den heimatlichen Humor und das fastnachtliche Brauchtum besonders Verdienst gemacht haben.

Sie gilt als die höchste Auszeichnung, die der RCV zu vergeben hat.

Erster Träger der GOLDENEN SCHNOOK war Werner Schmitt.

Die erste Serie des Ordens wurde von unserer Ehrensenatorin Cilly Petermann gestiftet, die zweite Reihe kommt vom Reisebüro Bäuml & Esslinger.

Um die ganz Ärwet zu verdääle                                                    

Musst mer erscht a Grämium wähle.
Mer braucht enn Vorschtand unn enn Präsident,
der uns fiehrt unn der uns lenkt.
Dodezu geheert nadierlich aach enn Elferrat,
der denn Lade bringt uff Fahrt.
Die krieh’n en Rang dann als Minister,
ohne die laaft gar nix, unn des wisst er!

In der Kampagne 1956/57 trat der kleine Verein dann erstmals an die Öffentlichkeit im Saal des Pfälzer Hof.

Mit Narremarsch unn mit Helau
Begann die erste Narreschau.
De Zeremoniemeister vorn weg ganz couragiert
Sinn alle annere mit oimarschiert.
Mit dabei aach die Schnookegarde ...

unn stolz trug mer die Vereinsstandarte.

 Winkend und singend ging’s durch de Saal,
uff die Biehn zum erschde Mal.

Na ja, mit dem Pälzsich und den Reinem ist das halt so ne Sache...      

Drei Narre versuchten mit Gesang ehr Glick,                                                                        
de Grönecke Kurt, de Lorenz Heiner und de Werner Schmitt.
Schunn ihr erschder Ufftritt war gelunge,
ach was hänn die eich’ne Texte gut geklunge.
Das Trio wurd als Singende Altrhoischnooke schnell bekannt,
zog werbend durch das ganz Land.
Sie bürgten iwwerall fer Stimmung mit Garantie,
denn Hand unn Fuss hatte ihre Parodie.

 Höhepunkte, an die sich alle gern immer noch gern erinnern, waren die Auftritte der Singenden Altrhoischnooke in der Stadthalle Kassel vor über 2000 Besuchern. Mehrmals war der Verein auch in der Schweiz. Er wird dort sogar in der Ortschronik von Rüssingen erwähnt. Auch in Kärnten fanden die Singenden Altrhoischnooke, das Aushängeschild des Vereins, Gefallen.

Von der kontinuierlichen, erfolgreichen Arbeit des Vereins zeugt auch der geringe, sagen wir mal „Personalverbrauch“, sei es für das Amt des Präsidenten als auch für den Vereinsvorsitzenden.

Josef Butsch war der erste Präsident, im folgte Egon Hofrichter, danach kamen Heinz Klag und als Leihgabe von den Frankenthalern Isenachtigallen Karl Heinz Jotter. Jürgen Heinrich, Ehrenpräsident, und Bruno Schmitt, Ehrenpräsident und Träger der Goldenen Schnook, leiteten jeweils 17 Jahre die Prunksitzungen mit großem Erfolg. Ich selbst hatte die Ehre, einige Jahre als Präsident tätig sein zu dürfen, heute nun haben die Altrhoischnooke mit Michael Schmitt einen jungen, engagierten und zukunftsweisenden Präsidenten.

Dass mer denn Bruno hänn, fer de RCV e Glick,                                    
er war jingschter Redner in de Schnooke Bitt.
Doch wegen dem Jugendschutzgesetz, demm Doofe,
musst er als erschder dro unn dann häm zum Schloofe.
Doch heit ihn des alles nimmer stert,
denn es iss grad umgekehrt.
Er geht als letschder häm, unser Präsident,
do iss er fit und kän Feierarbend kennt.

Eine weitere Serie historischer Orden, aus denen nicht immer hervorgeht aus welchem Jahr sie stammen.

So kennt man ihn, da hat Kurt Grönecke voll aus dem Leben des Bruno Schmitt in seiner Zeit als Präsident gegriffen...

Josef Butsch war auch der erste Vereinsvorsitzende, bevor er das Amt an Heinz Klag abgab, dem Edmund Bauer folgte. Franz Schatt und Alfons Köstner leiteten den Verein einige Jahre erfolgreich. Mit Ludwig Innetsberger folgte 1975 ein Mann mit großem Einfühlungsvermögen und natürlicher Autorität, in dessen Amtszeit der Verein zum e.V., zum eingetragenen Verein, wurde. Nach 11 Jahren innovativer Arbeit wurde ich 1986 zum Vorsitzenden gewählt und durfte dieses Amt bis 2003 ausführen. Mit Axel Deimling haben die Altrhoischnooke heute ein gewichtiges Organisationstalent mit unschlagbarem Durchhaltevermögen vor den Vereinskarren gespannt, das keine Zweifel an der weiterhin erfolgreichen Zukunft des Vereins aufkommen lässt.

In nunmehr 5 Jahrzehnten gab es allerdings nicht nur „eitel Sonnenschein“. Zu Beginn bis Mitte der 80er Jahre stand es nicht zum Besten mit dem Verein. Viele Aktive zogen sich als Alters- und Gesundheitsgründen zurück, es fehlte der Nachwuchs. Die Resonanz in der Bevölkerung ging zurück, der Schwung war dahin. Das zeigte sich sowohl in sinkenden Mitgliederzahlen als auch in schlecht besuchten Veranstaltungen, die Prunksitzungen mal ausgenommen.

Einer allerdings gab nie auf und ist bis heute aktiv dabei: Hermann Klein, Ehrensenator und Träger des Goldenen Löwen mit Brillanten. Seine Devise: Alla hopp, des mache mer, bis die annere ausdischpudiert hänn, hämmer die Ärwet gschafft.

Jeder kennt wohl den Satz

Ein Unmöglich gibt es nie, alles macht Klein, Germany.

Ab 1984 und verstärkt ein Jahr später fanden sich wieder Frauen und Männer, denen der RCV am Herzen lag. Sie sorgten dafür, dass die Altrhoischnooke wieder stechen konnten. Die Mitgliederzahlen, passiv als auch aktiv, stiegen steil an, und bald mussten im Pfälzer Hof 3 Prunksitzungen, meist mit eigenen Kräften, abgehalten werden, um die Kartennachfrage zu befriedigen.

Der Stammtisch und die Schittparade garantierten lange Zeit neben vielen Einzelbeiträgen der Aktiven gute närrische Unterhaltung.

Ein herber Schlag war Ende 1987 die Schließung des Saales im Pfälzer Hof, wo der RCV 32 Jahre lang seine Veranstaltungen durchführte und seine närrische Heimat hatte.

Kurt Grönecke schrieb dazu:

 Des war en Schock, des war en Hammer,                                                                
unn fer uns fing oa der Jammer.
Doch die Gemää, was war’n mer froh,
bot uns die Hall in Bowerum oo.
Die stand bereit im Nachbarort,
und schweren Herzens ging ma fort.
Do half kä jammere, kä klache,
Des Risiko, des musst mer wache.

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Ortskartell und dem BCV wurde das Problem gelöst, allerdings mussten die Roxemer Altrhoischnooke nach Bowerum auswandern.

Der Zwangsumzug hat nach vollen Häusern in der Kampagne 1987/88 allerdings keine schädlichen Spuren hinterlassen, im Gegenteil, durch die größere Bühne und die räumlichen Möglicheiten im Untergeschoss konnten die Aktiven ihre Kreativität voll entfalten.

Seit dieser Zeit finden alle Veranstaltungen bis auf die Schnookewoog hier in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle statt. Wechselnde Bühnenbilder, ein neu gestalteter Elferratstisch, die gut plazierte Kapelle und die gemütliche Atmosphäre sorgten für effektvolle, unterhaltsame, närrisch hochkarätige Abende.

Und nicht nur Abende. Es gibt seit mehr als 11 Jahren äusserst erfolgreiche Kinder- und Jugendsitzungen sonntags nachmittags mit Tanz- und Gesangsdarbietungen, geleitet vom heutigen Jugendpräsidenten Christian Bachner, der seine Sache sehr bravorös meistert und Hoffnung auf junge Nachwuchskräfte macht. Sein Vorgänger Michael Schmitt hat den Sprung zu den „Grossen“ jedenfalls mit Bravour geschafft.

Auch in der Programmgestaltung für die Prunksitzungen zeigt sich die Jugend insgesamt sehr aktiv und stellt mittlerweile einen festen Bestandteil der Veranstaltungen des RCV dar, genauso wie die Haus- und Hofkapelle Die Mosquitos.

Präsidium und Vorstand sehen in den JUNGSCHNOOKE einen der wichtigsten Zweige des Vereins. Mit dem Nachwuchs ist die Hoffnung verbunden, fastnachtliches Brauchtum und den karnevalistischen Gedanken langfristig für die Zukunft zu sichern.

Im Sommer 1999 wurde ein weiterer Zweig beim RCV ins Leben gerufen: Das Schnooketheater. Jedes Jahr im November spielen die Akteure dieser Laienspielgruppe in der Jahn-Halle zur Freude der Besucher humorvolle Volksstücke, oft bezugnehmend auf Personen und Ereignisse aus Bobenheim-Roxheim, immer profihaft mit garantiertem Lacherfolg.

E Schnookewoog gibt’s aa seit langer Zeit,                                           

unn die Birger sinn bereit
an Fastnachtdienstag ihre Kilos und Punde
per Obulus schää uffzurunde.
Des Geld iwwerreicht mer dann per Scheck
An die Gemää fer enn gude Zweck.
Die Umziech, Fussballspiele, es Gondelfescht
Ich noch korz erwähne mecht.
Iwwerall war’n mer hilfsbereit, aktiv
Unn waren do wann mer uns rief.
Dem RCV mit uff de Weg en gude Rat:
Macht weider so unn mit Lob werd net gespaat.

 Ja nicht nur zur Fastnachtszeit, sondern quasi das ganz Jahr findet man die Aktiven der Altrhoischnooke im Ort:

Sturm aufs Rathaus, Narrentreffen beim BCV am Bürgerfest, Wasserumzug beim Gondelfest, Kerwe in Roxem mit Benefizfussballspiel, Kerwezumzug in Bobenheim, Besuche bei befreundeten Vereinen im Ort und drumherum: mit Freude und Schwung sind die Narren dabei, zeigen, dass es sich lohnt, aktiv mitzumachen.

Der RCV hat es sich zur Aufgabe gemacht, altes Brauchtum zu erhalten und zu erweitern. Er wird nicht nur die nächste Kampagne, sondern auch sicherlich noch viele weitere Jahre Humor, Frohsinn und Lachen verbreiten.

Vorstand, Präsident und Elferrat sind jung genug und Garant für mindestens 11 weitere närrisch erfolgreiche Jahre.

 Mittlerweile sind schon wieder einige Jahre ins Land gegangen.

2011 wurde das närrische Jubiläum "5x11 Jahre RCV" groß gefeiert. Sogar eine Prinzessin wurde aus diesem Anlaß inthronisiert: Vera I. aus dem Hause Schmitt mit Hofdame Anja vertrat den Verein im Jubiläumsjahr nach innen und außen und war bei vielen Veranstaltungen von befreudeten Vereinen im Frankenthaler Umland gern gesehener Gast.

Ausverkaufte Prunksitzungen zeugen von der nach wie vor großen Beliebtheit und erfolgreichen Arbeit des Vereins. Durch Gründung der Showtanzgruppen "Mini- und Jungschnooke", in der Mädchen und Jungen zwischen 8 und 18 Jahren erfolgreich die Ideen der Choreografin Bärbel Eichhorn umsetzen und des Schnookeballetts, das die Veranstaltungen durch anspruchsvolle Showtänze bereichert, wurden neue Highlights gesetzt.

Und schon naht der 60. Geburtstag des Vereins im Jahre 2016. Auch da werden mit Sicherheit wieder etliche Höhepunkte auf dem Programm stehen.

Da ließen sich die Roxemer Narren nicht lumpen: Nach einem außerordentlich gut besuchten und stimmungsvollen Eröffnungsball startete man voller Zuversicht in die Jubiläumskampagne "60 Jahre RCV". Und das wurde belohnt durch 3 großartige Prunksitzungen, eine hervorragende Jugendsitzung und einem weiteren Rekordergebnis bei der Schnookewoog. Neue Büttenkräfte wie z.B. der "Schnookeprinz" Axel Kehrberger aus Mannheim, aber auch die Büttenreden des Gemeindeoberhauptes Michael Müller rissen neben den altbekannten Kräften das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.  Ganz neu war der erste Auftritt der "Altrhoiboys", des Männerballetts des RCV. Die Folge war, dass schon im Sommer 2017 die Karten für die Prunksitzungen 2018 vergriffen waren!

Es geht also weiter mit neuen Elferräten, neuen Büttenkräften und Aktiven. Der Aufmarsch beim Eröffnungsball 2017 für die Session 2017/2018 war dementsprechend beeindruckend. Mehr als 40 Elferräte, Mini-, Nachwuchs- und Jungschnooke sowie das Schnookeballett und das Männerballett füllten den halben Saal bei der Vorstellung.